Seilbahn-Technik

Der Webtree schützt wie ein Baum

Producer: JAKOB

Jakob Rope Systems:

„Der Webtree schützt wie ein Baum“

Urs Schneider, Leiter Seil & Hebetechnik der JAKOB AG, spricht im Interview über technische Vorteile des neuen WebTree - und warum das Schutzsystem auch finanziell eine Alternative ist.

Zwei Jahre lang tüftelten die Seilspezialisten von JAKOB ROPE SYSTEMS an einer neuen Steinschutzbarriere. Mit dem WebTree hat das Schweizer Unternehmen auf der INTERALPIN ein Schutzsystem vorgestellt, das zahlreiche technische, logistische und finanzielle Vorteile bietet. Wir trafen Urs Schneider, Leiter für Seil & Hebetechnik der JAKOB AG auf der Messe in Innsbruck zum Interview.

Si: Herr Schneider, mit dem WebTree stellen Sie hier auf der INTERALPIN eine richtige Messeneuheit vor. Woher stammt der Name für die neue Steinschutzbarriere?
Urs Schneider: Der WebTree ähnelt in Design und Funktion einem Baum („Tree“). Die Elemente des Schutzsystems ahmen das optimierte und schlanke Design der Natur nach, denn die Bäume sind ein natürlicher, effizienter Steinschlagschutz. Die intelligente Statik des WebTrees bewirkt, dass Energie durch Verformung vernichtet wird und der Stein im Netz („WebTree“) hängen bleibt.

Der WebTree muss wohl dementsprechend schwer sein.
Im Gegenteil: Anstelle von komplexen und materialaufwändigen Zaunkonstruktionen mit hohem Montageaufwand, glänzt der WebTree durch sein geringes Gewicht. Dadurch kann die Steinschutzbarriere im sicheren Umfeld montiert und anschließend mit dem Hubschrauber ins Gefahrengebiet geflogen werden.

Der WebTree wird auf sichereren Gelände, wie etwa auf einem Parkplatz, montiert und dann zur Gefahrenstelle hochgeflogen. Die Mitarbeiter halten sich nur kurz im Gefahrenbereich auf. Foto: JAKOB ROPE SYSTEMS

 

Die Mitarbeiter halten sich demnach nur kurz im Gefahrenbereich auf?
In der Tat. In 45 Minuten lassen sich 45 Meter WebTree montieren, also eine Minute pro Element und Zwischennetz. Beim WebTree sind Last- und Auflagenetz in einem. Dadurch verringert sich der Materialeinsatz erheblich. Durch die Netzstruktur können sowohl kleine Erosionen wie auch große Steine sicher aufgefangen werden. Trotz der Leichtigkeit und dem schlanken Design, hat der WebTree im Test 1,6 Tonnen schwere Steine mit 90 km/h sicher aufgehalten.
Trotzdem kann ein noch so gutes Netz bei einem Ereignis beschädigt werden.
Deswegen ist der WebTree als schlankes, modulares und einbaufähiges Produkt konzipiert. Falls Elemente, wie Stahlbau, Netze oder ganze WebTrees beschädigt werden, können einzelne Rahmen oder Netze einfach und rasch ausgetauscht werden. Die Folge: permanenter Steinschlagschutz ohne Sicherheitslücken.

Woher wissen Sie denn, das der WebTree diesen Schutz gewährleistet?
Durch umfangreiche Tests am DTC, dem Dynamic Test Center im schweizerischen Vauffelin. Mittels Anpralltests konnten wir Deformationskräfte sowie Deformationsenergien berechnen. Dadurch wissen wir, dass die Elemente, bestehend aus Netz, Stahlbau und Seilbremse, den geforderten Kräften erfolgreich standhalten und sich gegenseitig ergänzen. Und das bei einem Eigengewicht von nur 650 Kilogramm und einer geringen Anzahl an Erdankern.

Wie konnten Sie das Gewicht des WebTrees und die Anzahl der Erdanker gering halten?
Wir haben mittels Simulationen verschiedenste Berechnungen durchgeführt, um das Gewicht des Stahlbaus zu optimieren und die Anzahl der Bodenanker klein zu halten. Daraus ist ein einzigartiges
Sicherungssystem enstanden, dass das Landschaftsbild nicht unnötig stört und mit einer geringen Anzahl an Erdankern
auskommt, was die Gesamtkosten für die Schutzbarriere erheblich reduziert.

Wie muss man sich dann eine Steinschutzbarriere aus WebTrees vorstellen?
Die Anlage besteht aus mehreren, naturgrün lakierten WebTrees, die durch jeweils ein Zwischennetz miteinander verbunden sind. Die Schutznetze sind vier Meter hoch und fünf Meter breit. Der Neigunswinkel des WebTree wird vorab eingestellt.
Vor der Montage beraten wir unsere Kunden intensiv und umfangreich, von der Planung, über Felsräumungen, Erdanker und Sicherheitsinstallationen bis hin zu Montage- und Wartungsarbeiten.

Seit drei Tagen stellen Sie den WebTree dem Fachpublikum vor. Gibt es schon erste Reaktionen aus der Branche?
Ja! Zahlreiche Seilbahnunternehmen und Gemeinden interessieren sich stark für das neue Schutzsystem und viele können sich vorstellen, den WebTree in ihrer Gegend einzusetzen.
ts

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